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| Poesie: Hafez- Diwan |

Der persische Dichter Hafez, auch Hafis , wurde etwa 1320 in Schiraz in der iranischen Provinz Fars geboren. Sein voller Name ist Khajeh Shams-ed-Din Mohammad Hafez-e Shirazi .
Der dritte
Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns in Schiras verlor seinen Vater schon in früher
Kindheit; in der Folge geriet die Familie schnell in Armut. Als Jüngling
verdiente er sein Brot unter anderem bei einem Teigmacher, während er
gleichzeitig von einem Tuchhändler zum Dichten angeregt wurde. Schon in jungen
Jahren befasste er sich intensiv mit persischer und arabischer Poesie, mit
Theologie und Koranexegese. Den Koran hat er in- und auswendig gekannt, wie sein
Dichtername »Hafis«, »der (den Koran im Gedächtnis) Bewahrende« bezeugt. Eine
Zeitlang war er vermutlich Professor an einer Madrese. Über seine Mitgliedschaft
bei einem Sufi-Orden in Schiraz gibt es zweigeteilte Meinungen, in vielen Werken
jedoch bezichtigt er Rechtsgelehrte und Sufis gleichermaßen der Heuchlerei. Früh wurde er auch mit den
Werken von Moulana (Jalal ed-Din Mohammad Rumi) und
Saadi vertraut gemacht,
sowie auch Attar und Nezami.
Über das
Privatleben von Hafez ist wenig bekannt, vermutet wird das Hafez zumindest
einmal verheiratet war und einen Sohn hatte der als Kind starb.
Überliefert ist, dass Hafez mit 60 Jahren in einem Freundeskreis eine 40-tägige
meditative Nachtwache begann, an deren Ende er eine Art Bewusstseinserweiterung
erlebte. Diesen beschreibt er in seinem Diwan folgender maßen:
Jüngst in eines Morgens Dämmer
ward ich meines Grams entbunden,
Ließ man mir im nächt’gen Dunkel
helles Lebenswasser munden,
In Europa ist Hafez vor allem durch den "Diwan" bekannt, der Goethe stark
angeregt hat (West-östlicher Diwan, 1819). Diese Lyriksammlung wurde erstmals
1812 durch den Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall ins Deutsche übersetzt.
Eine besonders ästhetische und die
Reimprosa betonende Übersetzung stammt von Ritter von Rosenzweig-Schwannau
(1791–1865).

Vordergründig preist seine Lyrik die Freuden des Trinkens, der Jagd und der
Liebe. Auf der eigentlichen Ebene aber spiegelt sie die Hingabe des Aref
(derjenige der erkannt hat) wieder, dessen Ziel es ist, sich mit dem Göttlichen
zu vereinigen. Weltliche Freuden, Genüsse und Räusche verweisen somit auf die
Liebe zu
Gott, dem einzigen Rausch der ewig wirkt. In seiner Dichtung schuf Hafis ein
mystisches Gegenbild zu einer heuchlerischen und machtbesessenen
Umwelt.
Als Hafez im
Jahre 1390 starb, war er hoch geachtet. Sein Grab in den Musalla-Gärten
von Schiraz, die auch durch ihre Rosen bekannt sind, erhielt einen viel
besuchten Pavillon, genannt Hafezieh.
Hafez' Diwan enthält etwa 500 ebenso lyrische wie sprachlich schlichte Gedichte, von denen die meisten in der Form von Ghaselen geschrieben sind: eine traditionsreiche Form der persischen Literatur, die er vervollkommnte und mit panegyrischen Elementen verknüpfte. Jede Ghasele ist einem bestimmten Thema gewidmet und besteht aus bis zu 15 Reimpaaren mit je zwei Halbversen. Ihr Bilderreichtum entstammt der islamischen Mystik und thematisiert das Ineinandergreifen von Alltag und Ewigkeit.
Wissenschaftliche Arbeiten zu Hafez von Ali
Radjaie:
Hafis und Goethe, zwei gleichgesinnte Denker in zwei zeitverschiedenen Epochen
Hafis und das polyfunktionale Wort
Johann Wolfgang von Goethe über Hafez:
Sie haben dich, heiliger Hafis, die mystische Zunge genannt
Und haben, die Wortgelehrten, den Wert des Worts nicht
erkannt.
Mystisch heißest du ihnen, weil sie Närrisches bei dir denken
Und ihren unlautern Wein in deinem Namen verschenken.
Du aber bist mystisch rein, weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu sein, selig bist! Das wollen sie dir
nicht zugestehn.
Friedrich Nietzsche über Hafez:
Die Schenke, die du dir gebaut, ist größer als jedes Haus,
Die Tränke, die du drin gebraut, die trinkt die Welt nicht
aus.
Der Vogel, der einst Phönix war, der wohnt bei dir zu Gast,
Die Maus, die einen Berg gebar, die - bist du selber fast!
Bist Alles und Keins, bist Schenke und Wein.
Bist Phönix, Berg und Maus,
Fällst ewiglich in dich hinein,
Fliegst ewig aus dir hinaus -
Bist aller Höhen Versunkenheit,
Bist aller Tiefen Schein,
Bist aller Trunkenen Trunkenheit
wozu, wozu dir - Wein?
Friedrich Rückert über Hafez:
Hafis, wo er
scheinet Übersinnliches
nur zu reden, redet über Sinnliches;
Oder redet er, wo über Sinnliches
er zu reden scheint, nur Übersinnliches.
Sein Geheimnis ist unübersinnlich,
denn sein Sinnliches ist übersinnlich.
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